3.6 ‹bertragung von BVDV

Der Einfluss der Alpung auf Serokonversion und Geburt von PI Tieren


Die Alpung
Die Alpung

 

Im Rahmen einer Studie über den Einfluss von BVD auf die Fruchtbarkeit bei Schweizer Milchkühen stellte man fest, dass bei den überwachten Tieren die Serokonversionsrate während der Monate Juni bis August sowie Januar bis April am höchsten waren. Die Alpung der Tiere vermag den Peak im Sommer zu erklären. Weil sich ein Großteil der Rinder zu diesem Zeitpunkt in einem frühen Trächtigkeitsstadium befindet, werden im folgenden Winter viele PI Tiere geboren [26].


A. Übertragung zwischen Individuen 

Persistent infizierte Tiere stehen klar im Zentrum des epidemiologischen Geschehens. Sie scheiden während ihres ganzen Lebens über alle Sekrete und Exkrete permanent grosse Virusmengen aus. Aber auch akut infizierte Rinder können das Virus übertragen. Sie scheiden das Virus allerdings in weit geringerem Masse und nur während einigen Tagen aus. Eine Übertragung des Border Disease Virus der Schafe auf Rinder ist möglich, ebenso kann BVD-Virus von Rindern auf Schafe, und - extrem selten - auch auf Ziegen übertragen werden. Viele Wildwiederkäuer können sich mit BVD infizieren, dass sie allerdings eine Reservoirfunktion wahrnehmen ist nach heutigem Kenntnisstand unwahrscheinlich.

Direkte Übertragung

  • Im einfachsten Fall wird das Virus über Maul und Nase aufgenommen. Unter natürlichen Bedingungen ist dabei die direkte Übertragung, z.B. durch Maul zu Maul Kontakt, am effektivsten. Bereits ein einstündiger Kontakt mit einem PI Tier reicht u.U. für eine Übertragung aus [60].
  • Sperma: BVDV kann auch über Sperma (Samen), sowohl von persistent infizierten als auch von akut infizierten Bullen übertragen werden. Die Infektionsrate kann bei PI-Bullen bis zu 100% betragen (KB) [61], der Virustiter ist aber bei akut infizierten Bullen geringer [62].
  • Die Übertragung beim Embryotransfer ist grundsätzlich möglich, kann jedoch bei guter Hygiene relativ einfach verhindert werden.

Indirekte Übertragung

  • Rektale Untersuchung: In einer 1994 veröffentlichten Studie wurden 8 Rinder mit einem durch ein PI Tier kontaminierten Handschuh rektal untersucht. Alle 8 Tiere wurden angesteckt und machten in der Folge eine akute Infektion durch. Neben der Serokonversion konnte bei 5 Tieren zusätzlich auch Virus nachgewiesen werden. Bei zwei Kontrolltieren, welche nicht rektal untersucht wurden, konnte weder eine Serokonversion noch Virus festgestellt werden [63]. Die Studie zeigt, dass BVD auf diesem Weg recht einfach zu übertragen ist. Besonders heikel sind Trächtigkeitsuntersuchungen, welche meist vor Erreichen der fetalen Immunkompetenz erfolgen.
  • Kontaminierte Spritzen, Nasenzangen [64]
  • Unsaubere Impftechniken, kontaminierte Laufställe: Nach Kontamination der Gummimembran eines Impfstoffbehälters und zweimaligem Durchstechen derselben mit einer hypodermischen Nadel konnten zwei Kälber mit BVD infiziert werden. Ein unmittelbar nach Entfernung eines PI Tieres mit 3 seronegativen Kälbern neu besetzter Laufstall führte zur Infektion von zwei dieser Kälber. Zwei seronegative Kälber, welche einen Laufstall vier Tage nach Entfernung eines PI Tieres bezogen, infizierten sich nicht [65].
  • Kontaminierte Lebendvakzinen: 1999 kam es in den Niederlanden und in geringerem Ausmaß in Norditalien zu BVD-Ausbrüchen, nachdem Tiere mit einer BHV-1 Markervakzine geimpft worden waren. Nachträglich fanden sich im betreffenden Batch BVD Viren vom Genotyp 2. Bei der Anzüchtung (in Zellkulturen) der Impfstämme wird auf bovines Kälberserum zurückgegriffen. Dieses liefert bestimmte für den Zellaufbau benötigte Stoffe (z.B. Lipide) und enthält Hormone und Wachstumsfaktoren. 1991 waren von getesteten 190 kommerziell erhältlichen BKS Lots 49% Virus-positiv [66]. Seither sind die Kontrollen stark verbessert worden, dennoch kann eine Kontamination von Impfstoffen, wie obgenanntes Beispiel bestätigt, nie ganz ausgeschlossen werden.
  • Arthropoden: Die experimentelle Übertragung durch blutsaugende Fliegen (S. calcitrans, H. pluvialis) wurde beschrieben [67].
  • Aerogene Übertragung: wurde von einzelnen Autoren aufgebracht [65][68][69], bleibt aber bis heute umstritten. 

B. Übertragung zwischen Beständen

 
  • Märkte, Ausstellungen, gemeinsame Weiden, Alpung: Durch direkten Kontakt (unmittelbar ebenso wie mittelbar, z.B. über das Pflegepersonal) lässt sich ein zirkulierendes Virus leicht von einer Herde auf eine andere übertragen. Eine wichtige Rolle in der Epidemiologie der BVD-Infektion in der Schweiz spielt die Alpung [70]. Trächtige Rinder befinden sich zusammen mit Tieren aus anderen Beständen gemeinsam auf der Alp. Kommt es in der kritischen Phase der Trächtigkeit zu einer Infektion, so besteht die Gefahr, dass der Fetus infiziert wird; mit den bekannten Folgen. Da sich bei einer grösseren Anzahl Tiere die Chance erhöht, dass eines oder mehrere persistent infizierte darunter sind, steigt auch die Chance, dass neue persistente Virusträger generiert werden. Diese werden dann im Verlaufe des Winters in den Herkunftsbeständen geboren (s. auch Abb. rechts). Als Prävention könnte man die Tiere vor dem Belegen gegen BVD impfen – nur bestehen leider Zweifel an der Wirksamkeit der gegenwärtig eingesetzten BVD-Impfstoffe! (siehe auch “Impfen - ja oder nein?”)
  • Der unkontrollierte Zukauf von Mastkälbern in Zuchtbetriebe ist aus zwei Gründen riskant: erstens, weil Mastkälber häufig von Rindern stammen, die mit Samen von Mast-Stieren besamt wurden und während der Alpung einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren, und zweitens, weil die meisten schwächlichen Kälber (Kümmerer) sowieso direkt in die Mast abgehen. Das theoretische Risiko, beim Kauf von 20 Kälbern ein PI-Tier zu einzuschleppen beträgt (bei einer PI Prävalenz von 2%) rund 33% [54].
  • Zukauf von trächtigen Tieren, deren Kalb persistent infiziert ist