3.1 Situation Schweiz & Ausland

Antikörper-Prävalenz


AK-Prävalenz I
AK-Prävalenz I

Übersicht Antikörper Prävalenz Schweiz, nach Altersstufen (1995)

AK-Prävalenz II
AK-Prävalenz II

Zusammenhang Antikörper- und Antigenprävalenz (1995)

 

BVD ist weltweit verbreitet mit hoher Prävalenz und relativ niedriger Morbidität. Neben Rindern können sich auch andere Paarhufer (Schafe, Ziegen, Wildwiederkäuer, Schweine) infizieren. Diese Erkranken zwar nicht an BVD oder Mucosal Disease, leiden aber u.U. an Fruchtbarkeitsstörungen. Alle Altersgruppen sind empfänglich.

 

Prävalenz

Zahlreiche Untersuchungen zeigen stark unterschiedliche Seroprävalenzen und PI Inzidenzen, in Endemiegebieten liegen sie aber meist zwischen 60 und 80% (Seroprävalenz) bzw. zwischen 0.5 - 2% (PI Tiere). In der Schweiz sind ca. 60% der Rinder Antikörper-positiv, hatten also bereits einmal Kontakt mit dem Virus. Bei Kühen liegt die Seroprävalenz sogar bei bis zu 80%, wobei in praktisch allen Beständen positive Tiere vorhanden sein dürften (Übersicht Antikörper- & Antigen-Prävalenz Schweiz, 1995). Diese Tiere sind gegen die “Krankheit BVD/MD” immun. Epidemiologisch von zentraler Bedeutung sind persistent infizierte (PI) Tiere, die als Dauerausscheider eine ständige Infektionsquelle für andere Tiere darstellen und selber an Mucosal Disease zugrunde gehen können. In jedem achten Milchviehbestand der Schweiz finden sich eines oder mehrere dieser immuntoleranten PI-Tiere (Prävalenz 1%). Im Durchschnitt muss jeder Betrieb alle 10 Jahre mit der Geburt eines PI-Tieres rechnen. 

 

Antikörper-Prävalenz

Region  TotalAK-PrävalenzAG-Prävalenz 
 Jura 36974.5% 0.27%
 Mittelland 59065.4%1.19% 
 Angrenzendes Zuchgebiet 63056.3% 1.11% 
 Voralpen 94153.9% 0.32% 
 Alpen 91050.9% 0.44% 
 Total 344057.7% 0.64% 
 C.I. (0.95)  +/- 4.5%+/- 0.34% 

 

Unsere europäische Nachbarn sind von BVD ähnlich stark betroffen wie wir. In Bayern etwa konnten in 75 - 80% der untersuchten Milchviehherden BVD-Antikörper nachgewiesen werden [51], der Anteil der PI Tiere wird in Deutschland auf 1 - 2% geschätzt [52]; in Teilen Italiens liegt die Seroprävalenz bei ca. 62 % (Lombardei & Emilia Romagna [53]). Unterschiedliche Prävalenzen lassen sich oft durch Faktoren wie Populationsdichte, unterschiedliche Stallsysteme oder Managementeinflüsse erklären. So ist die Prävalenz etwa in Südskandinavien höher als in Nordskandinavien, wo die Herden kleiner und weniger dicht sind [54]. Auch in Spanien konnte eine solche Korrelation zwischen Populationsdichte und Seroprävalenz festgestellt werden [55]. In Großbritannien finden sich schätzungsweise in 95% der Bestände AK-positive Tiere [56].

 

Genotypen

BVDV 1 ist weltweit stark verbreitet, während BVDV2 v.a. in Nordamerika zu finden ist. Es wurde aber auch schon in diversen europäischen Ländern nachgewiesen. Eine Untersuchung in Bayern von 505 BVD-Feldisolaten zeigte 1999, dass es sich bei 93.5% der seropositiven Fälle um BVDV 1 und in 6.5% der Fälle um BVDV 2 handelte [57]. In Norditalien und in den Niederlanden wurde 1999 ein Typ 2 Virus über einen kontaminierten BHV-1 Lebendimpfstoff eingeschleppt [58]. Bei einer ebenfalls 1999 durchgeführten Studie in Belgien wurde in 13 von 107 Isolaten BVDV 2 nachgewiesen [59]. In der Schweiz konnte BVDV 2 bisher nie nachgewiesen werden.